«Das wäre eine amüsante Episode meiner Präsidentschaft gewesen»

Morgen Donnerstag wird die Generalversammlung des FC Wollerau auf der Terrasse des Klubhauses im Erlenmoos einen neuen Präsidenten wählen. Mit Fabian Meier wird nach zwölf Jahren ein Mann aus den eigenen Reihen Nachfolger von Stefan Ott.

von Franz Feldmann

Es ist später Nachmittag auf dem Fussballfeld Erlenmoos in Wollerau. Ein gutes Dutzend Junioren trainiert. Oberhalb, auf der Terrasse des Klubhauses, schauen zwei Männer zu. Einer davon ist Stefan Ott. Seit 20 Jahren ist er im Vorstand, seit zwölf Jahren Präsident des FC Wollerau. Das ist länger, als die jungen Fussballer auf dem Rasen schon auf der Welt sind. Der andere ist sein designierter Nachfolger, Fabian Meier. An der GV morgen Abend soll Meier das Amt von Stefan Ott übernehmen. Beide haben in ihrer Aktivzeit für den FC Wollerau gespielt. Stefan Ott blieb dem Klub während seiner ganzen Fussballzeit treu, Meier ist vor Jahren vom FC Freienbach zu den Rot-Gelb-Roten gestossen. Und bei beiden schlägt das Fussballherz bedingungslos für den Dorfklub.

3. Liga-Präsident

Stefan Ott fällt es nicht leicht, sich an ein spezielles Ereignis während seiner Präsidentschaft zu erinnern. «Da gab es viele Begegnungen auf und neben dem Fussballfeld», die ihm in guter Erinnerung geblieben sind. Einzig die Eröffnung des Kunstrasenfelds mag er erwähnen. «Zuvor hatten wir wenig Trainingsmöglichkeiten, der Sandplatz stand oft unter Wasser», erinnert er sich. Übernommen hat er den Klub just nach dem Abstieg von der 2. Liga in die 3. Liga. Wäre der «Plan» aufgegangen, hätte er mit dem Wiederaufstieg der ersten Mannschaft in diesem Sommer als 3. Liga-Präsident zwischen zwei 2. Liga-Präsidenten in die Geschichte des FC Wollerau eingehen können. Als klarer Leader der Gruppe 1 wäre dies durchaus dringelegen. Die Geschichte ist bekannt, die Meisterschaft ist abgebrochen, Aufstiege gibt es keine. «Das wäre aber nur eine amüsante Episode gewesen», sagt Ott schmunzelnd dazu.

Einige Änderungen

In den letzten Jahren sieht Ott eine grundlegende Veränderung des Fussballs, vor allem auf der administrativen Seite. «Alles ist viel professioneller geworden, auch für uns Dorfvereine.» Die ganze Administration, die Buchhaltung, alles muss genau so stimmen wie bei einem professionellen Fussballklub. Das bringt neue Verantwortlichkeiten auch für den FC Wollerau. «Das ist schwierig, so nebenbei als Laie zu bewerkstelligen.» Auch die ganze Öffentlichkeitsarbeit mit elektronischen Medien will bewirtschaftet sein. Das ist ein grosses Anliegen seines Nachfolgers Fabian Meier. Ihm als Marketingchef eines global tätigen schweizerischen Unternehmens ist es wichtig, einen professionellen Internetauftritt zu präsentieren. Ein erster Schritt ist mit der Gestaltung der neuen Webseite bereits getan. Weitere Schritte sollen dazukommen, die sozialen Medien sollen eingebunden werden.

Erste Mannschaft als Vorbild

Was in all den Jahren gleichgeblieben ist, so Ott, ist der Zusammenhalt innerhalb des Klubs. Dazu trägt die solide Einbindung der ersten Mannschaft in das Klubleben einen wesentlichen Teil bei. «Wir haben zwei aktive Spieler der ersten Mannschaft im Vorstand.» Überhaupt sei der Vorstand mit vielen jungen und aktiven Leuten besetzt. «Das macht Freude», so der dreifache Familienvater. Diesen Vorteil sieht auch sein Nachfolger, Fabian Meier. Dieser ist zehn Jahre jünger als Ott. Seit Jahren kennen und schätzen sie sich, nicht nur als Fussballer. Sie sind Nachbarn im Quartier. «Ich schätze Stefan als Nachbarn und Familienmenschen, der immer ein offenes Ohr für alle hat», schwärmt Meier. «Stefan hat viele Entscheide als Präsident nicht im stillen Kämmerlein gefällt, sondern die betroffenen Leute mit eingebunden.» Das soll auch bei ihm so bleiben. «Er hat es geschafft, den Klub hervorragend zu führen.» Ott nimmt die Komplimente gerne entgegen. «Das geht runter wie Honig», lacht er, gibt aber die Blumen gleich weiter. «Ich muss dazu sagen, dass schon meine Vorgänger einen sehr guten Job gemacht haben. Ich durfte einen ‹gesunden› Klub übernehmen.» Dass der FC Wollerau auf einer soliden, gesunden Basis steht, ist also nicht nur dem in der Geschäftsleitung einer erfolgreichen Regionalbank in Wollerau tätigen Stefan zu verdanken.

Wollerau als Dorfklub

Und wo soll es mit dem FC Wollerau hingehen? Stefan Ott sieht den gleichen Weg, wie bisher. «Wir wollen weiterhin ein Dorfklub sein, der wie jetzt die Leute in Wollerau bewegt.» Denn nach den Spielen werde man ob Sieg oder Niederlage nach dem Wochenende auf der Strasse angesprochen. «Sollte man sich im Vorstand einmal für sportlich ambitioniertere Ziele entscheiden, wäre das eine andere Möglichkeit, die zu prüfen ist.» Man merkt Ott an, dass ihm die momentane Situation lieber ist. Auch Meier sieht das so. Er will die Arbeit so weiterführen, wie sie in den vergangenen Jahren getan worden ist. Herausforderungen sieht er in der Juniorenarbeit. Das gibt viel Arbeit, wie auch Stefan Ott aus seiner bald ablaufenden Zeit als Präsident bestätigt. So soll die Zusammenarbeit mit Nachbarvereinen intensiviert werden, damit die Junioren in allen Altersklassen eine Mannschaft zum Spielen vorfinden. Jede Kategorie in einem kleinen Dorfklub qualitativ gut spielen zu lassen, sei alleine fast nicht möglich. Nun soll also morgen der Wechsel auf der Terrasse des Klubhauses an der GV vollzogen werden. Genau dort, wo die beiden stehen. Danach wird Stefan Ott mehr Zeit haben, dem Geschehen auf dem Platz zuzuschauen und das Familienleben zu geniessen. Denn seine Frau gibt praktisch gleichzeitig das Amt als Präsidentin des ETV Schindellegi ab. Auf diese Zeit freut er sich jetzt schon.

Das sagt Stefan Ott über Fabian Meier

«Fabian ist ein zielstrebiger, direkter Typ, der super geeignet ist, den FC Wollerau zu repräsentieren. Er geniesst im Umfeld eine hohe Akzeptanz und bringt die Möglichkeit mit, viele neue Kontakte zu knüpfen. Er ist einer der jüngeren Generation und entspricht meinen Wünschen als Nachfolger. Ich schätze seine Offenheit und die Art, wie er auf die Leute zugeht.» (ff)

Das sagt Fabian Meier über Stefan Ott

«Stefan war nicht nur ein enorm guter Präsident in den letzten zwölf Jahren, ich habe ihn zu Beginn meiner Zeit bei Wollerau auch noch als begnadeten Fussballer kennengelernt, der mit legendären Pirouetten im Mittelfeld seine Gegner schwindlig gespielt hat. Mich hat sein kooperativer Führungsstil sehr beeindruckt, auch seine Fähigkeit, andere zu motivieren und zu überzeugen.» (ff)

www.hoefner.ch

Höfner Volksblatt - Seite 17